»Die Gartenzwerg-Festspiele«

 Nahe-Zeitung, 24. Januar 2014

Idar-Oberstein. Vor knapp zwei Jahren erschien das Bühnenstück „Die Liga der Gartenzwerge“ von dem Idar-Obersteiner Autor, Regisseur, Schauspieler und Fotografen René Goerlitz beim Plausus Theaterverlag. Im vergangenen Jahr konnte sich Goerlitz über die Uraufführung des Werkes freuen: Am 14. Und 15. Juni brachte die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Rendsburg die Kriminalkomödie auf die Bühne. Die skurrile Geschichte um den unsagbar wertvollen und mit geheimnisvollen Kräften ausgestatteten Zwerg von Gräfenroda hat nun mit „Die Zipfelmütze des Todes“ eine Fortsetzung gefunden. Und damit auch eine richtige Trilogie draus wird, soll irgendwann „Das Vermächtnis der Gartenzwerge“ die Reihe komplettieren.

„Leider habe ich erst zwei Tage vor der Aufführung erfahren, dass mein Stück in Rendsburg gespielt wird“, bedauert Goerlitz. „Das hätte ich mir natürlich gern angesehen.“ Positiv überrascht sei er aber davon gewesen, dass schon so schnell eine Gruppe „angebissen“ habe, von der Veröffentlichung bis zur Erstaufführung habe es gerade mal elf Monate gedauert. Sein größter Wunsch ist es, dass der Stoff auch einmal von einem Ensemble aus der Region aufgegriffen wird. „Hier gibt es viele gute Gruppen, die Theater machen. Aber leider setzen die meisten ja auf Schwänke, und mein Stück hat da natürlich einen deutlich anderen Charakter, selbst wenn ich im ersten Teil mit einem Hinweis auf die Felsenkirche sogar noch einen lokalen Bezug eingebaut habe.“

Mit „Die Zipfelmütze des Todes“ hat Goerlitz jetzt einen Nachfolger vorgelegt, und wieder hat der Mitbegründer der Charles Atlas Gruppe genau im Auge gehabt, dass Amateurtheater in der Regel nur begrenzte technische und finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung haben. „Das Stück besteht aus vier Szenen in zwei Akten und spielt nur in einem einzigen Bühnenbild, „dem gleichen wie schon der erste Teil“, erläutert Goerlitz. Wieder einmal ist das Wohnzimmer des exzentrischen Freizeitdetektivs Maurice Ralston, den Goerlitz dem von ihm hochgeschätzten und auch schon verkörperten Sherlock Holmes nachempfunden hat, Schauplatz des Geschehens.

Bei Scotland Yard herrscht verzweifelte Ratlosigkeit, weil eine geheimnisvolle Mordserie – alle Opfer wurden mit einer Zipfelmütze erwürgt – London in Angst und Schrecken versetzt. Während der Zwerg von Gräfenroda auf dem Grunde des Ärmelkanals schlummert, hat die fieberhafte Suche nach seinem Pendant begonnen. Die beiden goldenen Figuren haben einst die Bundeslade, das größte monotheistische Heiligtum mit den Originaltafeln der Zehn Gebote, geziert und verleihen daher jedem, der sie in die Hände bekommt, außerordentliche Macht. Damit werden sie natürlich zum Objekt des Begehrens schlechthin für alle Finsterlinge und Schurken, kein Wunder also, dass diese buchstäblich über Leichen gehen, um in den Besitz zu kommen. Und auch das Ende des Stückes ist nicht unbedingt dazu angetan, ängstliche Gemüter zu beruhigen.

„Die Fortsetzung zu schreiben war deutlich einfacher als das erste Stück“, berichtet Goerlitz. „Es sind ja nicht nur weitgehend dieselben Personen, sondern auch die Funktionsweise dieser Welt war mir bereits vertraut und musste nicht erst entwickelt und erarbeitet werden.“ Trotzdem hat es Goerlitz mit der Fertigstellung des dritten Teils nicht eilig. „Ich warte erst mal ab, ob jetzt noch weitere Gruppen Interesse für den Stoff zeigen. Ideen für den abschließenden Teil habe ich jedenfalls schon jetzt jede Menge.“ Verständlicherweise träumt der Autor davon, dass alle drei Teile noch möglichst oft aufgeführt werden. Und das nicht nur um der Selbstbestätigung oder möglicher Tantiemen willen, sondern auch als potenzieller Zuschauer. „Das ist genau die Art von Theater, die ich selbst gern sehen würde“, meint Goerlitz schmunzelnd.

(Jörg Staiber) 

 

Nahe-Zeitung, 26. April 2012

Nahe-Zeitung

Idar-Oberstein. René Goerlitz, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten künstlerischen Aktivitäten – vom Bühnenstück bis zur Fotoausstellung – an die Öffentlichkeit getreten ist, hat ein Buch, in dem er seine Ideen notiert. „Die Liga der Gartenzwerge“ schrieb er da vor rund zwei Jahren hinein. „Ich war einfach begeistert von dem Titel und dachte: Daraus mache ich etwas“, berichtet er. „Allerdings hatte ich zunächst überhaupt keine Idee, was man daraus machen könnte.“ Zwei Jahre später ist daraus ein Theaterstück von knapp zwei Stunden geworden, das inzwischen sogar einen Verleger gefunden hat und demnächst beim Plausus Theaterverlag veröffentlicht werden soll.

Zwischen Idee und fertigem Stück liegen viel Arbeit, eine Menge teils verworfener, teils realisierter Einfälle und eine ganze Reihe von Entwürfen – allerdings auch ein gutes Stück Recherche. „Ich habe mich sehr intensiv mit der Geschichte der Gartenzwerge auseinandergesetzt und bin auf erstaunliche Dinge gestoßen“, berichtet Goerlitz.

Und Elemente aus der nunmehr fast 200-jährigen Geschichte des deutschen Gartenzwerges sind auch eingeflossen in das überaus skurrile Bühnenstück, das darin gipfelt, dass ein strangulierter Gartenzwerg tot an einem Fensterkreuz hängt. Aber wer Goerlitz‘ Arbeiten in der Vergangenheit verfolgt hat, wird sich ebenso an einiges andere erinnert fühlen.

„Ich habe darin ganz viele Einflüsse verarbeitet“, meint auch der Autor. Schon als Jugendlichen faszinierte ihn die Figur des Sherlock Holmes, was schließlich darin gipfelte, dass er Jeremy Pauls Bühnenstück „The Secret of Sherlock Holmes“ übersetzte und bei der deutschen Uraufführung im Göttschieder „Theaterchen“ auch die Titelrolle übernahm.

Der exzentrische Maurice Ralston aus der „Liga“ trägt deutliche Züge des genialen Detektivs. Aber beim Lesen ahnt man auch andere Inspirationsquellen wie etwa die Sketche von „Monty Python“, die die von Goerlitz gegründete Charles-Atlas-Theatergruppe über Jahre erfolgreich aufführte. Der Hintergrund der Geschichte, in der sich der „Zwerg von Gräfenroda“ (in der thüringischen Stadt wurden die ersten bärtigen Mützenträger erschaffen) als mystische Kultfigur mit übernatürlichen Kräften entpuppt, erinnert wiederum an Dan Brown oder Indiana Jones.

Der Bühnenpraktiker Goerlitz, der in etlichen Stücken Regie geführt und – vom Riff Raff aus der „Rocky Horror Show“ bis zu Peter Pan – schon zahlreiche Rollen verkörpert hat, freut sich auf ein für ihn neues Erlebnis der besonderen Art. „Ich möchte mich einfach mal in einem Besuchersessel zurücklehnen und anschauen, was aus meinem Stück gemacht wurde, ohne mit der Umsetzung direkt etwas zu tun zu haben“, meint er. Die Chancen, so ist er überzeugt, stehen nicht schlecht. Schließlich wisse er, worauf es bei einem Stück für die Bühne ankomme, was sich realisieren lasse und was nicht.

Er kann sich sogar vorstellen, bei einem Erfolg des Stücks noch eine Fortsetzung zu schreiben. Der Titel steht auf jeden Fall schon in seinem Notizbuch: „Die Zipfelmütze des Todes“.

(Jörg Staiber)